Energie und Ökologie

Wir wollen nicht nur irgendein Dach über dem Kopf, sondern ein Gebäude, „für das wir uns vor unseren Enkeln nicht schämen müssen“ – so wurde es in einer unserer Sitzungen formuliert. Dieser Anspruch äußert sich insbesondere in folgenden Komponenten:

Passivhaus

Passivhäuser brauchen extrem wenig Energie. Sie werden seit den 1960er Jahren gebaut und ihr Grundprinzip hat sich so bewährt, dass es bis heute – in perfektionierter Form – angewandt wird. Eine sehr anschauliche Erklärung findet man z. B.  in der „Sendung mit der Maus“ und auch Tim Pritlove hat sich des Themas in Sendung Nr. 180 seines Chaos Radio Express angenommen.

Das Prinzip eines Passivhauses besteht darin, ein Haus so gut zu dämmen, dass nur noch minimale Wärmemengen durch die Wand oder Fenster verloren gehen. Das Haus wird also möglichst luftundurchlässig gebaut. Bei unserem Haus wird dies nicht durch viel Styropor („Wärmeverbundsystem“) erreicht, sondern durch besonders massive, sogenannte Poroton-Ziegel. Die Frischluftzufuhr wird dabei durch eine mechanische Ventilation sichergestellt, so dass die Wärme der verbrauchten Luft (v.a. aus Bad und Küche) entzogen und sie direkt der kalten Frischluft zugeführt wird. Dieses System ist bekannt als „Wärmerückgewinnung.“

Diese Maßnahmen führen dazu, dass pro Quadratmeter Wohnfläche und pro Jahr höchstens 15 Kilowattstunden (kWh) Heizwärme zugeführt werden müssen; ein Altbau liegt im Vergleich häufig schon mal bei 300 kWh, ein normales Einfamilienhaus aus den 1990er Jahren durchaus auch bei 140 kWh. Natürlich wird aber auch noch andere Energie benötigt: für die Ventilation, Licht, Kochen, Duschen usw. Hier greift ein weiteres Mindestkriterium des Passivhauses: Demnach darf für alle Energieformen zusammen (also nicht nur Wärme) nicht mehr als 120 kWh pro Jahr und Quadratmeter „Primärenergie“ verbraucht werden.

(Fassaden-)Begrünung

Fassadenwein

Fassadenwein – hier noch etwas blass

Pflanzliches Grün ist nachweislich gut für das psychische Wohlbefinden von Menschen (siehe Charles Montgomerys Buch „The Happy City„). Sorgfältig ausgewählte Pflanzen bzw. deren Früchte können darüberhinaus verzehrt werden – von Menschen und von Tieren. Aus diesem Grund gestalteten wir unseren Garten so essbar wie möglich. Auch unsere Fassade ist eine  wichtige Fläche zur Umwandlung von Sonnenenergie in grünes Blattwerk und süße Früchte. Dazu haben wir sechs Weinstöcke gepflanzt und wollen aus der Ernte Tafeltrauben, Saft und auch die eine oder andere Flasche „Clouthstropfen“ herstellen. Dazu wurde unser Haus von Anfang an systematisch mit den notwendigen Rankhilfen ausgestattet. Bei der Planung und der anfänglichen Pflege des Weins hat uns dankenswerterweise Thomas Eichert, Kölns „Stadtwinzer“ unterstützt.

Zudem wurde an der Ostfassade Spalierobst angepflanzt und auf dem Dach wohnt ein Bienenvolk, für das wir gezielt Bienentrachtpflanzen im Garten wachsen lassen und das sich sicherlich auch im nahen Johannes Giesberts Park sowie in den  Schrebergärten der Umgebung wohlfühlt.

Mobilität

Eine hohe Lebensqualität erfordert ein Mindesmaß an Mobilität: für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, für Wochenendausflüge usw. Die meisten dieser Wege lassen sich zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem ÖPNV oder einem CarSharing Auto meistern. Und damit das keine heldenhaften Bemühungen erfordert, …

  • … wurden wir zusammen mit anderen Clouth BewohnerInnen vor der Bezirksvertretung politisch aktiv, um die Busanbindung des Clouth Geländes weiter zu verbessern. Die Petition wurde ohne Gegenstimme angenommen und aktuell wird das Thema durch ein Gutachten bearbeitet.
  • … stehen wir in Kontakt mit den Energiegewinnern, die aktuell prüfen, ob ein Elektrofahrzeug in unserer Tiefgarage im Rahmen ihres jungen CarSharing Angebots stationiert werden kann.
  • … gibt es ein schickes, praktisches und elektrisch unterstütztes Donk-EE Lastenfahrrad zur allgemeinen Ausleihe vor dem Haus. Und die private besessenen Fahrradanhänger können natürlich von allen HausbewohnerInnen genutzt werden.

Der Effekt ist nicht nur gut für die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum (weniger Autos schafft mehr Platz für Cafés, Spielplätze, Grün etc.), sondern auch für die Luftqualität, für unsere eigene Gesundheit und für unseren Geldbeutel: Von den laut Bebauungsplan zu errichtenden 8 Stellplätzen nutzen wir nur drei selbst (€105.000 gespart!). Wir blicken deshalb voll Mitleid auf ein Gebäude der Nachbarschaft, wo die Bewohner*innen von 47 Wohnungen 77 Autostellplätze finanzieren müssen!

Wasser

Im Garten ist eine Zisterne aus den üblichen Gründen – aber auch als Beitrag zum Hochwasserschutz. Denn das Wasser von Starkregenereignissen fließt dann nicht mehr direkt in die überforderte Kanalisation (d.h. nicht mehr direkt in den Rhein) sondern wird erst mal in der Zisterne „gepuffert“ und an trockenen Tagen zum Gießen von durstigen Pflanzen verwendet.